Augsburger Allgemeine

Katzenkaffee als exotische Spielerei

Von Andreas Kornes
Neuburg/Donau.
Kaffee, ganz normaler Kaffee. Nichts unterscheidet diese dampfende Flüssigkeit auf den ersten Blick von dem, was des Deutschen liebstes Getränk ist. Und doch gibt es einen Unterschied. Es ist der teuerste Kaffee der Welt und gleichzeitig das Endprodukt aus dem Verdauungsprozess einer Katze: Kopi Luwak heißt die edle Bohne, und Liebhaber zahlen bis zu 100 Euro für 100 Gramm.

Versteck zwischen Leinensäcken
Gerade einmal 200 Kilogramm beträgt die Produktion im Jahr – weltweit. Zweieinhalb Kilo des kostbaren Rohstoffs hat Andreas Lettenmayer aus Neuburg seit einigen Tagen in seinem Lager. Versteckt zwischen riesigen Leinensäcken voller Kaffeebohnen steht das wertvolle Päckchen, daneben zwei altehrwürdige Röstmaschinen.

Etwa ein Dutzend eigenständige Kaffeeröster gibt es noch in Bayern, Lettenmayer ist einer von ihnen. Vor allem aber begreift sich der 38-Jährige als Kaffeeliebhaber, und als solcher habe er es als seine Pflicht angesehen, auch einmal den seltensten Kaffee der Welt zu testen. Über Inter-American-Coffee, einer Spezialitäten-Firma mit Sitz in Hamburg, bestellte er vor zwei Wochen die edlen Bohnen und hatte Glück. Zweieinhalb Kilo kamen in Neuburg an. Seitdem herrscht Euphorie im dortigen Lager der Kaffeefreunde. „Der Kopi Luwak hat einen kräftigen, schokoladigen Geschmack“, sagt Lettenmayer. 500 Gramm hat er inzwischen verkauft.

Begehrt ist das edle Getränk aber vor allem im Ausschank an der Theke. Feinschmecker sollten bei dessen Genuss aber, so sein Tipp, nicht unbedingt daran denken, welchen Veredelungsprozess die Kaffeebohnen hinter sich haben. Denn dieser beginnt zwischen den Kiefern des Fleckenmusangs, einer Schleichkatze. Auf der Suche nach Nahrung frisst dieser kleine Nachträuber in den Kaffeeanbaugebieten von Java, Sulawesi und Sumatra auch reife Kaffeekirschen. Weil es aber nur das Fruchtfleisch verdauen kann, scheidet das Tier die Kerne – also die Kaffeebohnen – wieder aus. Durch die Magensäfte bekommt der Kaffee nach Ansicht von Experten sein einzigartiges Aroma und ist nahezu frei von Säure. Da Schleichkatzen in Gefangenschaft nicht alt werden, müssen vorwiegend freilebende Exemplare für die Veredelung sorgen. Das limitiert die Menge des Kaffees.

Eigentlich, so sagt Lettenmayer, sei das Ganze aber vor allem eines: eine Spielerei. Denn ob der Kaffee wirklich so gut ist, wie es sein Preis erhoffen lässt, sei fraglich. Auch deshalb gibt es den Kopi Luwak in Lettenmayers kleinem Café „Barista“ zum Schnäppchenpreis. Drei Euro kostet dort eine Tasse, für zwölf Euro gibt es 100 Gramm gemahlene Bohnen. „Ich sehe das als exotisches Experiment, mit dem ich den Leuten Zugang zu dem Getränk Kaffee schaffen will.“ Denn nichts anderes ist Kopi Luwak – zumindest, wenn man nicht daran denkt, woher die Kaffeebohnen kommen.

Augsburger Allgemeine, 03.08.2007
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