Donaukurier

Die Liebe zur Kaffeebohne

Andreas Lettenmayer ist der einzige Kaffeeröster im Landkreis. Im Jahr 2000 hat der 38-Jährige einen eingestaubten Trommelröster aus dem Geschäft seines Vaters zu neuem Leben erweckt – drei Mal die Woche erhitzt er damit Bohnen für seine selbst kreierten Mischungen.

In dem kleinen, unscheinbaren Raum im Hinterhaus in der Weinstraße türmen sich Säcke voll mit Kaffeebohnen. An der Stirnseite stehen zwei gasbeheizte Trommelröster aus den 50er Jahren. Sie sind das Herzstück der einzigen Kaffeerösterei im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Montags, mittwochs und freitags füllt Andreas Lettenmayer erstklassigen Roh kaffee aus aller Welt in die Trichter der Probat-Traditionsröster – bei 180 Grad verwandeln sich dort im Jahr zehn Tonnen der grünlichen, steinharten Rohbohnen in das duftend bräunliche Endprodukt.

„Gehen auf wie Popcorn“

Gut eine Viertelstunde dauert es, bis die Früchte des Kaffeestrauches fertig sind – jede der 21 verschiedenen Sorten, die Lettenmayer verwendet, braucht unterschiedlich lange . Während der Veredelung beobachtet Lettenmayer mit Argusaugen das knisternde und dampfende Spektakel. Immer wieder zieht er die kleine Schippe mit einer Bohnenprobe aus dem Trommelröster , um die Bräune zu überprüfen. „Die gehen auf wie Popkorn“, sagt Lettenmayer: „Am Ende sind sie zwei Mal so groß.“ Doch dieses Ende exakt zu treffen, das ist die Kunst. Ein paar Sekunden zu lang, und die fünf Kilo Bohnen, die in den Edelstahlröster passen, sind verbrannt . Hochkonzentriert steht der 38-Jährige im Raum und wacht über die kostbaren Rohkaffees.

„Jetzt ist es soweit“, sagt Lettenmayer und öffnet die silberne Klappe des linken Rösters, heraus prasseln knisternde Guatemala-Antigua-Bohnen, dichter Wasserdampf steigt auf. Sechs bis sieben Minuten fährt dann ein Rührstab durch das aromatische Edelprodukt , bis es abgekühlt ist. Dann erst vermischt Lettenmayer die Bohnen mit jener anderen Sorte aus der Maschine rechts daneben. Ob es sich dabei um Ernten von den Galapagosinseln im Pazifik, vom Fuße des Mount Everest, aus Thailand oder Ruanda handelt, gibt er nicht preis. Schließlich ist sein „Espresso Originale“ eine eigene Kreation, und die Rezeptur ist „top secret“, wie er sagt. Allerdings ist es mit diesen beiden Sorten ohnehin nicht getan. Mindestens eine weitere Kaffeebohne kommt noch hinzu, verrät Lettenmayer, dem die Arbeit sichtlich Spaß macht.

Aus den 21 verschiedenen S orten kreiert der gebürtige Freisinger 19 verschiedene Kaffee- und Espresso mischungen , die er nur ein paar Meter über den Innenhof in sein kleines „Café Barista“ trägt, wo er sie verkauft . Entweder in goldenen Tütchen für die Zubereitung zu Hause, oder zum sofortigen Genuss als duftenden Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato . Geröstet ist der Kaffee hier selten älter als ein paar Tage, und das wissen die Stammkunden an den beiden Stehtischen zu schätzen – für mehr bietet das Café keinen Platz . Natürlich könnte er expandieren, sagt Lettenmayer. Aber das will er nicht: „Lieber klein und fein.“

Geboren wurde Lettenmayers Rösterei aus der Not: Er entdeckte Anfang der 90er Jahre zu Hause eine wertvolle, aber eingestaubte Kaffeemaschine – und fand partout keinen Qualitätskaffee , der diesem Liebhaberstück auch nur annähernd gerecht geworden wäre. “ Auf der Suche nach einem wirklich guten Kaffee bin ich bis nach Italien gefahren, habe 150 verschiedene Sorten ausprobiert“, erinnert sich der Geschäftsmann . Die Suche kam erst zu einem Ende, als er Anfang 2000 selbst zur Tat geschritten ist: De r alte Trommelröster stand – seit sein Vater das Rösten 1976 aufgegeben hatte – unbenutzt in dessen Drogerie herum. Er musste nur saniert und aus seinem jahrzehntelangen Schlaf zu neuem Leben erweckt werden.

Schon bald stieg den Passanten in der unteren Altstadt der Duft frisch gerösteten Kaffees in die Nase – wie in längst vergangener Zeit. Denn der 38-Jährige schließt mit seiner Initiative an die alte Kaffeetradition der Stadt an. D er Kolonialwarenhändler Franz-Xaver Thoms hat die wertvollen koffeinhaltigen Bohnen schon im 19. Jahrhundert hier geröstet. Den Garaus machte den vielen privaten Kleinröstern im Land die industrielle Aufbereitung . In den 1970ern eroberten Tchibo und Co. den Markt. Das kostete vielen Alteingesessenen die Existenz. Doch heute ist wieder Individualität gefragt und außerdem gibt es hierzulande derzeit ein uner sättliches Verlangen nach dem aromatische Heißgetränk. “ Kaffee ist das meistgetrunkene Getränk in Deutschland“, sagt Lettenmayer. Per Post versendet er 600 Pakete jährlich an Stammkunden. Die beliebtesten Espresso-Eigenkreationen aus der Ottheinrichstadt sind neben dem „Originale“ der „Secondo“ und der Espresso „Letizia“ – diese Mischung hat Lettenmayer vor zwei Jahren zur Geburt seiner Tochter kreiert.

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